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Lehrmeister Pferd

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Heute möchte ich euch von einer Begegnung in Kiel erzählen. Ich war am Samstagabend auf einem Geburtstag und musste am nächsten Tag ziemlich früh ein Taxi zum Bahnhof nehmen, um pünktlich bei der Next Generation zu sein (ein Projekt von Arien Aguilar). Ziemlich verschlafen stieg ich also am Sonntagmorgen in ein Taxi und der Fahrer fragte mich, wo ich denn an einem Sonntagmorgen hin wolle, wo man doch eigentlich frei hätte. Ich erzählte ihm, dass ich auf dem Weg zu einer Fortbildung war und lehnte mich zurück – eigentlich wollte ich mich nicht unterhalten, ich war recht müde und mir fehlte die Lust ein ernsthaftes Gespräch anzufangen. Der Fahrer blieb jedoch hartnäckig und lies sich davon gar nicht beeindrucken. Als würde er meine Abweisungsversuche nicht bemerken, fragte er weiter, um was es da gehe. Ich antwortete schlicht „Pferde“ und schaute zum Fenster raus, in der Hoffnung seine Neugier damit befriedigt zu haben. Er wollte nun aber noch wissen ob ich Springen oder Dressur reiten würde. Ich gab mich geschlagen, warf den Bäumen am Straßenrand einen letzten hoffnungslosen Blick zu und wendete mich ihm nun zu. Ich nahm ihn nun das erste Mal richtig wahr – ein älterer Herr mit schon grauem Haar, noch oder schon im Winter braun gebräunt, Lachfalten um die Augen und mit einem leichten mir unbekannten Akzent. Sofort fühlte ich mich ein wenig schuldig, da dieser Herr sich doch so sehr nach einer Unterhaltung sehnte und meine Bequemlichkeit und Müdigkeit jegliche Höflichkeit ausschloss. Ich entschloss mich, mich zusammenzureißen und ihm bei seiner Arbeit wenigstens mit einer Unterhaltung ein wenig Abwechslung zu bieten.

So kam es, dass ich ihm ausführlich von dem Projekt erzählte, dass es weniger um das Reiten, sondern hauptsächlich um den Umgang mit Pferden ginge, das dabei junge Trainer aus verschiedenen Ländern zusammen kommen und über ihre Ideen berichten und andere lehren würden. Er überlegte kurz und fragte mich dann, ob ich nicht mit Pferden umgehen könnte. Ich verneinte das und erzählte, dass ich mit meinen Pferden aufgewachsen sei, jedoch weiter dazu lernen möchte. Daraufhin hat er mir etwas gesagt, über was ich den Rest des Tages nachgedacht habe. Leider kann ich mich nicht mehr wortgemäß daran erinnern, sinngemäß sagte er jedoch „Umgang mit Pferden kann man nicht erlernen, dass muss man haben – im Gefühl. Manche können es, manche nicht“. Als bekennender Literaturfan musste ich sofort wieder an Faust denken – das Buch habe ich mindestens ein dutzend Mal gelesen und der Satz „Wenn ihr´s nicht fühlt, ihr werdet´s nicht erjagen“ ging mir sofort durch den Kopf.

 
Lehrmeister
 

Wenn ich ehrlich bin, habe ich bei keinem der vielen Seminare, welche ich besucht habe etwas Wesentliches gelernt. Ein paar neue Übungen hier, ein paar neue Ideen und Ansätze da, aber wie man eine Freundschaft aufbaut, lernt man dort nicht. Eine Beziehung kann nicht auf einer Technik beruhen und auf keinem Kurs der Welt kann man es schaffen eine Partnerschaft mit seinem Pferd zu erlangen. Das ist etwas, was man alleine mit seinem Pferd hinbekommen muss und was einem niemand abnehmen kann. Und das Verständnis untereinander – die Pferdesprache- lernt man am besten vom Pferd selbst.

Ayrin Piephoh
Ayrin Piephoh
21 Jahre jung, Veterinärmedizin Studentin, Verhaltenstrainerin für Pferde und kommt aus Niedersachsen, nähe Hannover

1 Comment

  1. Lea sagt:

    Das ist wohl wahr. Am Ende kann man sich nur neue Inspiration holen, aber das eigene Pferd ist immer noch der beste Lehrer.

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