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Wolfgang Marlie
1. November 2017
Von Wildpferden zu Hauspferden
1. Januar 2018

Wildpferde

Die Angst vorm Fliegen

Um drei Uhr klingelte der Wecker und ich wollte es einfach noch nicht wahr haben, dass die Nacht schon vorbei sein sollte. Schlaf ist mir heilig- ich höre streng auf meinen Körper, führe einen regelmäßigen Schlafrhythmus und stehe dabei jeden Tag um 7 Uhr auf – auch am Wochenende und an Feiertagen. Meistens gehe ich dann ins Bett, wenn ich müde werde und mein Körper mir die ersten Signale schickt. Unser Körper weiß nämlich ganz genau wie viel Ruhe wir benötigen, wir müssen nur anfangen zu lernen wieder auf ihn zu hören.
Wenn ich nun also mal freiwillig vor 7 Uhr aufstehe, muss schon etwas Großes bevorstehen und so war es auch: Der Flug nach Split (Kroatien). Ich liebe es zu reisen und die Welt zu entdecken! Der schnellste Weg ist meistens der mit dem Flugzeug, doch leider gibt es einen Knackpunkt. Ich habe Flugangst. Jedes Mal, wenn ich in ein Flugzeug steige, tue ich das mit dem Gedanken, dass es durchaus passieren könnte, dass das Flugzeug abstürzt. Obwohl ich weiß, dass das sehr unwahrscheinlich ist und das Flugzeug das sicherste Verkehrsmittel ist, kann ich meine Ängste und Sorgen nicht überwinden. Beim Start und später bei jeder Kurve oder kleinsten Schwankung ziehe ich einen Absturz in Erwägung und diese Angst wurde in der Vergangenheit nicht besser, sondern von Mal zu Mal intensiver und stärker. Ich lernte also nicht aus meinen vorherigen gut ausgegangenen Erfahrungen, sondern bin in meinen Ängsten gefangen und wieso? Weil ich die Angst im Willen zu Reisen übergangen habe. Anstatt meinen Emotionen Raum zu lassen habe ich versucht sie zu verdrängen und die Situation ausgehalten. Ich bin nicht gestärkt nach einem Flug ausgestiegen, sondern emotional vollkommen überfordert.
Und ich bin dankbar. Dankbar für diese Erfahrung und dass ich damit die Chance bekommen habe meinen Pferden mehr Verständnis entgegenzubringen. Hier ein paar Gedankenspiele:
-Mein Pferd geht einmal über die Plane/ auf den Anhänger, beim zweiten Mal bleibt es jedoch davor stehen und möchte nicht noch mal darüber gehen. Nun denkt man „es hat dich beim ersten Mal nicht gebissen, stelle dich doch nicht so an. Du hast doch erfahren, dass dir nichts passiert“. Nur weil ein Pferd einmal trotz seine Angst darüber/ darauf gegangen ist, heißt es nicht, dass es seine Ängste überwunden hat. Ich bin viele Male ins Flugzeug gestiegen, habe jedoch von Mal zu Mal mehr Ängste ausgestanden.
-Ich bringe mein Pferd mit Druck zu einem ihn ängstigenden Gegenstand, hat mein Pferd nun weniger Angst vor diesem Gegenstand? Nicht unbedingt, vielleicht hat es einfach nur mehr Angst vor uns und dem steigendem Druck, als vor dem Gegenstand.
-„Mein Pferd geht freiwillig auf den Hänger, wenn dies als fester Futterplatz auf dem Paddock etabliert wird. Wenn ich ihn reinführen möchte verweigert er aber.“ Ich steige ins Flugzeug, weil meine Sehnsucht die Welt zu entdecken größer ist als die Sorgen, ich würde es nicht tun nur um einem anderen einen Gefallen zu tun.

Gründer unserer Gefühle

Dieses Mal habe ich es das erste Mal geschafft meine Gefühle zu kontrollieren. Ich habe mich auf meine Atmung konzentriert, ansatzweise meditiert und versucht meine Gefühle und Emotionen durch Gedankenbilder selbst entstehen zu lassen – Gedanken produzieren Gefühle und Gefühle produzieren Gedanken. Wenn wir das verinnerlichen sind wir nicht mehr länger Sklaven unserer Gefühle, sondern deren Gründer.
Auch unseren Pferden können wir helfen ihre Ängste in Neugier zu wandeln, anstatt sie zu übergehen. Alessa Neuner hat dazu passend formuliert „Entdecken/ Erleben statt Ertragen“. Anstatt unsere Pferde durch ihre Ängste hindurch zu treiben können wir ihnen die Chance geben an ihren Ängsten zu wachsen und sie zu kontrollieren. Mittels Click Emotions zum Beispiel: Hierbei wird jede Annäherung, jede Form von positiven Emotionen und Neugier positiv bestärkt. Das Pferd hat somit die Chance einen fremden Gegenstand mit Neugier zu entdecken, anstatt jedes Mal durch die Ängste hindurch gehen zu müssen. Damit erreicht man nicht nur ein neugierigeres Pferd, sondern ein sichereres, da es anstatt der Flucht bei unheimlichen Begegnungen, auch das Entdecken und die Neugier in Erwägung zieht.

Kroatien

Der Flug war nun also kein Problem mehr für mich und ich stieg entspannt im sonnigen Split aus. Wir verbrachten zwei wunderbare Tage in dieser Stadt. Wir gingen ins Meer baden, schauten uns die Altstadt an und verbrachten einen Tag bei den Wasserfällen im Nationalpark in Krka – was für ein Erlebnis! Man hört das Wasser rauschen, sieht die Wasserspritzer in die Luft wirbeln und die einzelnen Tropfen von den Sonnenstrahlen erleuchtet. Leicht nebelig ist es direkt unter dem Wasserfall und die Luft ist erfüllt von fremden Gerüchen. Fische tummeln sich im Wasser und große Bäume breiten ihre Wurzeln zum Wasser aus… Licht, Bäume, Wasser – alles Elemente des Lebens, die eine wunderbare fast heilende Kraft auf uns haben können. Wusstet ihr schon, dass Wasser eine Erinnerung hat? Wasser in der Nähe eines Atomkraftwerkes hat in seinen kleinsten Bausteinen eine verzerrte Struktur, während Wasser aus unberührter Natur eine klare stabile Struktur aufweist.

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Bosnien Tag 1

Aber ich würde wohl kaum hier von diesem Urlaub berichten, wenn nicht noch Pferde vorkommen würden … ;)
Am zweiten Tag wurden wir von Rangers abgeholt. Bereits am Flughafen trafen wir auf Mark Lubetzki – ein Tierfilmer und – fotograf, der sich insbesondere auf das Verhalten von Wildpferden spezialisiert hat. Er hat bei YouTube übrigens ganz tolle Filme dazu, die ich sehr weiterempfehlen kann, bereits bei meinem Kursbericht über Parelli habe ich darauf zurückgegriffen.
Gemeinsam fuhren wir über die Grenze und erreichten Bosnien. Dort trafen wir auf Maksida Vogt – die Gründerin der Akademia liberti, Autorin, Rohköstlerin, Fotografin und Dozentin des Wildpferde Workshops. Auch bei ihr waren die Pferde der Schlüssel für eine andere Lebensweise (siehe Buch „Von Pferden essen lernen“ etc.). Nach der Begrüßung bezogen wir unsere gemütlich eingerichteten Zimmer und gingen gemeinsam zum Abendessen. Es kam zu spannenden und inspirierenden Gesprächen, nicht nur über Pferde – Schulsystem, Motivation, Spiritualität, Ernährung … alles war Thema. Maksida berichtete auch über ihre Aufklärungsarbeiten und die von ihr entworfene Ausbildung zum AL-Coach, welche auf den vier Säulen freiwilliges Training, Spiritualität, Hufpflege und Stallmanagement beruht.
Nach dem Essen legten wir uns direkt Schlafen, denn am nächsten Morgen sollte ein lang ersehnter Traum von mir war werden – wir würden auf Wildpferde treffen! <3

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Bosnien Tag 2

„Kling Kling“ - es war vier Uhr. Mein Freund stellte den Wecker aus und ich kniff die Augen ganz fest zu. „Ayrin, du musst aufstehen“. Mh, naja gut, aber nur für die Wildpferde nehme ich eine erneute halbe Nacht auf mich! Also zogen wir uns fix nach dem Zwiebelprinzip an und gingen raus, wo wir auf den Ranger warteten, welcher uns zu den Wildpferden fahren sollte. Obwohl es keine befestigte Straße gab und der Geländewagen von einem Loch ins nächste rollte, schlief ich für die Zeit nochmal tief und fest ein. Irgendwann kam der Wagen zum Stehen und Maksida übersetze die Aussage des Rangers, dass wir nun da waren. Es war noch stockdunkel, eine Taschenlampe wurde rausgeholt und plötzlich sah man in der Ferne ganz viele Augen leuchten. Gegen meine Erwartungen schliefen die Wildpferde nicht, sie waren am Grasen und schienen uns schon wesentlich früher bemerkt zu haben, als wir sie. Neugierig kamen sie den Berg herunter, auf dem sie standen und näherten sich uns bis auf wenige Meter. Vorsichtig stiegen wir aus den Autos und hielten den Pferden sachte eine Hand entgegen. Langsam trauten sich die ersten Pferde immer näher an uns heran, bis die Mutigsten kurz an der Hand schnüffelten, bevor sie sich wieder zurückzogen. Gerade diese erste Begegnung war etwas ganz besonderes. Es war so, als würde diese kleine Berührung ein unsichtbares Band zwischen uns spannen, welches uns für immer Verbindet und einen kleinen Teil unseres Herzens einnimmt, welches uns die Freiheit bewahrt, welche wir bei den Wildpferden entdecken durften.

Nachdem die erste Neugier vorbei war, fingen die Pferde wieder an sich dem Gras zu widmen und langsam ging im Hintergrund die Sonne auf. Nun konnte man auch erkennen, dass es keinesfalls Gras war, welches die Pferde aßen, sondern zahlreiche verschiedene wohlriechende Kräuter. Und auch die Pferde konnte man nun genauer betrachten: Alle Farben waren vertreten, unterschiedliche Körperstrukturen, Araberköpfe und Ramsnasen. Fohlen standen neben vernarbten Hengsten und kräftige Typen neben knochigen Stuten. Allgemein sah zu diesem Zeitpunkt die Herde riesengroß aus, ca. 100 Pferde tummelten sich auf und um dem Berg, Hengste, Stuten und ihre Fohlen in unterschiedlichem Alter. Dies ist sogar recht ungewöhnlich, oft kommen in Wildpferdeherden die Fohlen innerhalb eines Monats. Aber hier waren Fohlen in allen Altersklassen vertreten. Maksida und Marc begründeten das so, dass die Wildpferde ursprünglich mal Hauspferde waren, die freigelassen oder weggelaufen sind. Direkt nach ihrer Verwilderung wurden sie meistens gedeckt und aus diesem Zyklus kamen sie nicht mehr heraus, weshalb nicht nur Fohlen im Frühling, sondern auch im Herbst geboren werden. Dadurch, dass die Pferde ursprünglich mal Hauspferde waren ist auch das vielfältige Aussehen zu erklären. Besonders spannend empfand ich auch das Verhalten der Fohlen, wenn sie bei der Wanderung einen Schluck bei ihrer Mutter trinken wollten: Sie überholten ihre Mutterstuten vorne unterm Hals an der Brust lang und bremsten sie dadurch aus. Sobald die Stute stand saugten sie sich gierig an der Zitze fest. Sollte das Ausbremsen der Mutterstute mal nicht geklappt haben, wiederholten sie den Prozess einfach.

fohlen trinkt

Langsam wanderten wir mit der Herde gen Wasserloch und konnten schon die einzelnen Herdenelemente erkennen. Es gab viele kleine Herden, mit meistens zwischen drei und fünf Mitgliedern. Im Durchschnitt gab es einen Hengst mit seinen Stuten. Die Hengste ohne Stuten schließen sich zu Junggesellengruppen zusammen, bis sie stark genug sind selbst eine oder mehrere Stuten zu erobern. Man konnte sogar das Phänomen beobachten, dass sich zwei Hengste eine Stute geteilt haben! Vermutlich konnten sie die Stute alleine nicht gegenüber den anderen Hengsten verteidigen, aber zusammen ist man stark ;) Marc hat erzählt, dass er das zuvor noch nie in einer anderen Herde so gesehen hat. Das, was für mich nun so unglaublich spannend war,ist, dass die einzelnen Herden nicht gegenüber den anderen isoliert waren und einen getrennten Tagesablauf führten, sondern sie waren alle miteinander verbunden! Viele Herden grasten gemeinsam und wanderten zusammen zum Wasserloch. Dort trennten sich die Gruppen kurz, da der Platz zu klein für alle gewesen wäre, und die Gruppen mit den stärksten Hengsten tranken zuerst.

Es gab nicht viele Rangkämpe oder wilde aufgebrachte Hengste. Oft wanderten mehrere Hengste entspannt nebeneinander in ihren Herden. Manchmal trieben sie mit tiefen Kopf und zurückgelegten Ohren ihre kleine Herde zusammen oder jagten einem anderen Hengst kurz hinterher, der zu nahe gekommen war, aber allgemein war es eine ruhige Wanderung von Hengsten und Stuten. Die meiste Zeit des Tages waren die Pferde mit tiefem Hals zum Grasen im Schritt unterwegs, nur auf dem Weg bergab zum Wasser ist die Gruppe schneller geworden und angetrabt/ angaloppiert. Am Wasser angekommen stellten sich einige Pferde direkt rein und genossen die Kühle, manche tranken nur an der Kante und wälzten sich danach ausgiebig im Sand. Trotz dessen sahen alle Pferde – sogar die Schimmel – komplett sauber aus. Sie haben im Gegensatz zum Boxenpferd die Möglichkeit an einen Platz zu schlafen, wo sie vorher noch nicht hin geäppelt haben. Zusätzlich lieferte das Staubbad ein wirksames Mittel gegen Insekten. Kein einziges Wildpferd hatte so mit Insekten zu kämpfen, wie es bei unseren Hauspferden zu beobachten ist. Wobei sie auch nicht im Sonnenschein auf der Weide stehen, sondern hauptsächlich nachts und in den kühlen Morgen- und Abendstunden. Nach der Fellpflege gingen die Pferde nämlich in den Wald, wo sie im Schatten der Bäume schliefen.
An diesem Punkt ließen wir die Pferde ruhen und fuhren zurück zu der Herberge. Nach ein paar Stunden Schlaf trafen wir uns wieder gemeinsam zum Abendessen, wo wir über das Erlebte und vieles mehr redeten …

Bosnien Tag 3

Am nächsten Morgen klingelte wieder um 4 Uhr der Wecker und wir brachen vor Sonnenaufgang auf. Heute brauchten wir etwas länger um die Herde zu finden, doch nach kurzem Suchen und Horchen des Rangers haben wir auch an diesem Morgen noch vor Sonnenaufgang die Pferde entdeckt. Als wir aus dem Auto stiegen kamen sie den Berg herunter und umkreisten uns und die Autos einmal im großen Kreis. Hinter uns blieben sie mit ein paar Metern Abstand stehen und schauten uns mit großen Augen und gespitzten Ohren an. Nach kurzer Inspektion kamen sie näher und ein paar streckten sogar sachte ihre Nase entgegen und schnüffelten kurz an unserer Hand, bevor sie sich wieder zurückzogen. Bis zum Sonnenaufgang blieben sie wieder auf dem Berg, bis sie langsam grasend gen Wasserloch zogen. Den Berg herunter beschleunigten sie wieder, tranken kurz und verschwanden danach wieder in den Weiten der Wildnis. Wir verweilten am Wasserloch und kurz darauf kamen auch andere Herden dazu. Manche Herden waren ganz klein, andere größere Zusammenschlüsse waren wieder aus mehreren kleinen Herden zusammengesetzt. Hengste tranken neben anderen Hengsten und man konnte selten Auseinandersetzungen feststellen. Nur einmal bekam ich einen Rangkampf aufs Bild: Es ging bei diesem Streit gar nicht um eine Stute, es waren zwei Junggesellen, die sich im Kampf erprobten. Sie trabten sehr enge Kreise umeinander, schnüffelten an der Nase des anderen, warnten mit einem Tritt des Vorderbeines, stiegen sich an und knieten nieder. Diese beiden Hengste zeigten die Versammlung in Perfektion. Aber auch nur für den Zeitraum von ein paar Minuten. Bei den Stuten konnte ich weder das Steigen, noch ein imponierendes Schreiten entdecken. Sie haben meistens eher ausgeschlagen, wenn sich jemand anders ihrem Fohlen zu sehr näherte. Es ist also nicht natürlich einer Stute das Steigen beizubringen und auch beim Hengst ist es nicht empfehlenswert, weil er nur im Kampf steigt, aber wollen wir dieses aggressive Verhalten wirklich in unserem Training fördern?


Eine lange Zeit des Tages grasten die Pferde mit gesenktem Kopf und durchgestreckten Nacken-Rücken-Band. Wenn sie zum Wasserloch trabten oder galoppierten, dann taten sie das sehr „locker“, sie waren nicht aufgerichtet, aber liefen auch nicht mit durchgedrücktem Rücken oder über ihren Unterhals. Und was man immer deutlicher sah: Pferde sind nicht dazu geschaffen uns zu tragen. Ihr Rücken ist wie eine Brücke, die Beine die Stützpfeiler. Wenn die Brücke zu sehr belastet wird hängt sie durch, deshalb die Idee der Reitmeister den Rücken aufzuwölben und die Bauchmuskeln zu trainieren. Saß bei dir schon mal jemand länger als 10min auf dem Schoß und langsam schliefen deine Beine ein? Die Durchblutung war gestört. Einem Pferd ergeht es nicht anders. Nach 15 Minuten des geritten werdens fangen an kleinste Kapillaren unterm Sattel abzusterben und das Pferd verspürt Schmerzen. Das Gebiss drückt auf empfindliche Nerven und der Sattelgurt schnürt dem Pferd den Brustkorb zusammen. Auch ein Pferd in ständiger Versammlung – und damit auch Anspannung – zu reiten, kann diesem Phänomen nicht entgegenwirken und hat eher einen negativen Einfluss auf die Psyche. Ein Pferd welches bis auf das höchste Level versammelt und aufgerichtet galoppiert wird ist meiner Meinung nach auch immer bis zu einem gewissen Grad angespannt. Meine Pferde können auch nicht den spanischen Schritt oder das Steigen entspannt ausführen, dass liegt nicht in ihrer Natur. Bestimmte Bewegungen haben einen bestimmten Einfluss auf die Psyche, genauso wie ein Kopf senken den Parasympathikus und ein Kopf heben den Sympathikus anspricht. Die Psyche des Pferdes ist komplex und verletzlich. In der Natur haben wir schlimme Verletzungen gesehen. Insbesondere ein bildschönes dunkles Fohlen mit hellen Kreisen um denn Augen hat sich mir ins Gedächtnis geprägt. Es wurde vermutlich von einem Wolf angegriffen, hatte eine offene Wunde am Hals, unter dem Bauch und Kratzer an den Hinterbeinen herunter. Die Wunden eiterten und waren mit Fliegen bedeckt. Es muss schreckliche Schmerzen gehabt haben … Doch es ließ sich nichts anmerken. Mit gespitzten Ohren folgte es seiner Mutter, es hatte keine Augenfalten oder andere Schmerzsymptome gezeigt. So ein tapferes kleines Wesen .. Einer anderen Mutterstute bin ich zu nah gekommen, sie drehte sich um und legte die Ohren an. Nachdem ich zwei Schritte zurückgegangen bin entspannte sie wieder und graste mit gespitzten Ohren. Man sah kein Pferd mit penetranter Stressmimik, wie es bei Hauspferden oft zu beobachten ist. Die Pferde hatten allesamt eine positive Aura, egal wie sehr sie sich verletzt haben oder wo sie in der Rangordnung standen. Es gab auch kein Pferd, welches seinen Rang ausgenutzt hat und ohne Grund auf ein rangniedrigeres Pferd losgegangen ist. Und falls es mal zu einem Kampf kam, was der nach ein paar Minuten erledigt und beide Hengste gingen entspannt weiter ihrer Wege. Alle Pferde waren sehr ausgeglichen, zeigten keine Verhaltensstörungen wie viele Hauspferde und waren dem Neuen – uns Menschen – positiv gesinnt.

Die Zeit bei den Wildpferden ist ein unvergessliches Erlebnis und wird uns für immer in Erinnerungen bleiben. Es war ein großer Traum, welcher sich erfüllt hat und nun zu einer wunderbaren Erinnerung geworden ist, welche mir immer wieder ein Lächeln bereitet. Seit meiner Heimkehr habe ich nicht mehr den Wunsch ein Pferd zu dressieren, sondern ich möchte mit ihnen die größt mögliche Freiheit erleben.

Weiter mit den Wildpferden geht es in den nächsten Blogeinträgen!
Januar - Von Wildpferden zu Hauspferden
Februar - Fütterung á la Wildpferde


Ayrin Piephoh
Ayrin Piephoh
20 Jahre jung, Veterinärmedizin Studentin, Verhaltenstrainerin für Pferde und kommt aus Niedersachsen, nähe Hannover

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