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Füttern á la Wildpferde

Von Wildpferden zu Hauspferden
1. Januar 2018
Janine Reinecke
1. März 2018

Futter – Du bist was du isst

Wir sind das, was wir unserem Körper zuführen und bei unseren Pferden ist das nicht anders. Aber bei den ganzen Futtermitteln die auf dem Markt sind und die verschiedenen Fachmeinungen die in verschiedenen Medien publiziert werden kommt schnell Unsicherheit auf, was ist denn nun das Richtige? Der eine sagt dies, der andere jenes. Auch hier ist die Lösung eigentlich wieder recht simple: Frage dein Pferd.

Den Instinkten auf der Spur

Die Pferde wissen am besten was ihnen gut tut. Es ist super spannend auch sein eigenes Pflanzenwissen zu erweitern, wenn man mit seinem Pferd in den Wald wandern geht und sie ihre Kräuter, Moose, Wurzeln, Samen, Nüsse und Erden selbst zusammensuchen. Meine Pferde futtern im Wald liebend gerne Tonerde, Buchen- oder Trauerweideblätter, am Straßenrand Walnuss- oder Haselnusskerne und fremde Gräser und Blüten am Waldrand. An den Beobachtungen orientiert habe ich begonnen meinen Pferden Heilerde zu verfüttern, mit großem Erfolg! Außerdem gehe ich nach den gemeinsamen Wanderungen alleine in den Wald, sammle Nüsse und pflücke die begehrten Pflanzen meiner Pferde, oder ich nehme direkt eine große Tasche mit. Damit verfüttere ich nicht nur im Biorhythmus der Jahreszeiten, ausschließlich natürliche und unbehandelte regionale Produkte, sondern spare auch noch viel Geld und lerne meine Pferde und ihre Bedürfnisse besser kennen. Wer noch tiefer in die Thematik gehen möchte: Jedes Kraut und jedes Blatt welches das Pferd frisst kann man nachschlagen und die Nährwerte in Tabellen ablesen. Von dem Stoff, der in den gefutterten Pflanzen besonders hoch enthalten ist, hat das Pferd vermutlich einen Mangel.

Giftpflanzen

Und keine Sorge vor Giftpflanzen. Wenn man sich ein wenig mit der Tier- Pflanzen- Interaktion beschäftigt merkt man schnell, dass es gar keinen Sinn macht, wenn eine Pflanze ein Tier tötet. Wenn eine Pflanze giftig ist, dann deshalb, weil sie sich vor Fraß schützen will. Wenn sie nun aber schon aufgefressen ist und das Tier 10 min später tot umfällt hat sie weder überlebt noch den Fortbestand ihrer Art sichern können. Deshalb haben die meisten Arten Stoffe, die dem Tier mitteilen, dass sie giftig ist oder sein könnte (antipastorale oder antinutrive Eigenschaften). Antipastoral beugt dabei Fraß vor, z.B. durch bestimmte Gerüche, während antinutrive Unbehagen nach dem Fraß im Magen-Darm-Trakt auslösen. Dadurch meiden Pferde diese Pflanzen in Zukunft und geben dieses Wissen auch an ihre Nachkommen weiter. Dadurch ist nicht nur diese eine Pflanze, sondern ihre ganze Art, im Fortbestand gesichert. Leider ist durch menschliches Eingreifen diese natürliche Interaktion oft gestört. Z.B. können Pflanzen in getrockneter Form im Heu ihre antipastoralen Eigenschaften verlieren, wodurch es zu Vergiftungen kommen kann.

Übrigens: Pferde können zwar nicht spucken oder sich übergeben, aber durch „Luftkauen“ ihren letzten Happs wieder loswerden. Auch das ist bei der Tier Pflanzen Interaktion von großer Bedeutung, da Giftpflanzen oft einen bitteren Geschmack haben und Pferde erst nach Probieren diese Gefahr erkennen können.

Uni Wissen

Übrigens weiß unser Körper genau was wir am besten vertragen und brauchen ;) Um den Magen-Darm-Trakt liegt das größte Nervensystem – das enterische Nervensystem – außerhalb des Gehirns. Das Problem heutzutage ist nur, dass Essen immer weniger ein instinktives, sondern ein psychologisches, emotionales Vorgehen ist. Wir essen oft nicht mehr, weil wir etwas benötigen, sondern weil wir durch Werbungen und Prägungen dazu konditioniert wurden oder weil es uns gerade in Massen günstig zur Verfügung steht. Auch entwickelt unser Körper mit der Zeit eine gewisse Abhängigkeit oder auch Sucht zu bestimmten Lebensmitteln: Im Darm wird unsere Nahrung durch Mikroben abgebaut. Dabei gibt es für jede Stoffart eine eigene Mikrobenart. Zur Vereinfachung stellen wir uns mal eine Schokoladenmikrobe vor, welches die Schokolade verdaut. Wir essen eine Zeit viel Schokolade, die Schokolademikrobe hat also viel Nahrung und gewöhnt sich an diese Stoffumsetzung. Eines Tages entscheiden wir uns dafür keine Schokolade mehr zu essen. Die Schokoladenmikrobe bleibt also hungrig und schickt über Absonderung bestimmter Stoffe die ein Nervensignal auslösen können den Hunger nach Schokolade an unser Gehirn, welches wir dort bewusst wahrnehmen. Dieser Hunger nach Schokolade ist also antrainiert, dazu kommen noch Assoziationen, wie z.B. wenn in einem Film Schokolade bei Liebeskummer gegessen wird und wir es dann als emotionale Handlung zum Trost oder auch als Belohnung nutzen. Nahrung ist unsere Medizin, unser Kraftwerk, aber es sollte nicht zum Balancieren unseres psychischen Befindens dienen. Zum Glück gibt es auch mehrere Möglichkeiten aus der Spirale wieder heraus zu kommen!
1. Gedankenkraft: Nichts ist so stark wie unsere Gedanken. Wenn wir es schaffen unsere Gedanken umzuprogrammieren und uns im Geiste bewusst machen, dass wir keine Schokolade benötigen, geht das in die Gefühlsebene über – Gedanken produzieren Gefühle, Wissen ist ein mächtiges Gefühl. Gefühle bestimmen unsere Handlungen und diese unseren Erfolg.
2. Entzug: Heilfasten ist schon eine uralte Tradition. Einmal den Körper von allen Giften und Süchten befreien und die (Schokoladen-) Mikroben aushungern lassen. Ein paar Tage (unter Ärztlicher Betreuung) nur mit Wasser leben und sich danach vor einen Tisch mit Obst und Gemüse stellen und sich fragen, wonach man wirklich Hunger hat. Für eine Regeneration ist es nie zu spät.

Die Basis

Die Grundlage der Pferdefütterung sollte frisches Gras und getrocknetes Heu sein. Ideal sind möglichst unbehandelte Flächen mit einer großen Vielfalt an Pflanzen und Schatten und Rinde spendene Bäumen. Da Pferde nicht zu lange Fressenspausen haben sollten ist eine regelmäßige Fütterung (ideal 24h freies Heu zur Verfügung) empfehlenswert. Das Heu sollte nicht aus hochgehängten Heunetzen gefüttert werden, da die Pferde dabei eine unnatürliche Fresshaltung einnehmen. Gesünder ist eine bodentiefe Fütterung. In letzter Zeit werden verschiedene Fressgitter modern, die die Fresszeit verlängern sollen. Dabei unbedingt drauf achten, dass diese nicht aus Plastik oder Metall bestehen, da diese die Zähne irreversibel schädigen können! Besser sind hier die alt bekannten Stoffnetze, die man über das Heu spannen kann.
Eine weitere Grundlage ist Wasser: Wasser sollte nicht in Plastik angeboten werden, da Plastik Behälter oft mit chemischen Weichmachern etc. behandelt worden sind und sich Mikroplastik löst, welches vom Pferd aufgenommen werden kann. Besser ist zum Beispiel eine Tränke aus Stein. Außerdem ist es ideal, wenn man die Möglichkeit hat Regenwasser aufzufangen, meine Pferde bevorzugen Regenwasser vom Dach immer gegenüber dem Wasser aus der Leitung.

Mineralienbar

Wenn ein Pferd einen Nährstoffmangel hat und dieser Nährstoff zum Beispiel im Heu nicht ausreichend vorhanden ist muss es davon wesentlich mehr futtern um seinen Mangel auszugleichen. Durch die gleichzeitige Überversorgung anderer ebenfalls im Heu vorhandener Stoffe kann es jedoch zum selben Zeitpunkt zu Übergewicht kommen. Deshalb ist es wichtig auf eine ausreichende Versorgung der Nährstoffe zu achten. Leider sind die Weiden durch Überdüngung und Übernutzung inzwischen sehr arm an Mineralien und die Pferde müssen diese aus anderen Quellen beziehen. Eine Möglichkeit ist es nun Pferde in einer möglichst naturbelassenen Umgebung ihr Futter suchen zu lassen. Ein regelmäßiges Blutbild oder eine Fellhaaranalyse kann einem dabei helfen die optimale Versorgung im Überblick zu behalten. Optimal ist außerdem eine Mineralienbar mit z.B. Kupfersulfat, in der sich die Pferde frei bedienen können. Ein zusätzliches Angebot an Heilerde und Salzlecksteinen deckt den Mineralien- und Salz- Bedarf unserer Pferde gut ab. Fertige Mineralfutter, Müsli oder Pellets versuche ich zu vermeiden, meiner Meinung nach sind sie mit Fastfood für Menschen vergleichbar.
Jedoch sollte man es mit den Mineralien nicht übertreiben: Auch unsere Nahrungsmittel sind durch Monokulturen und Düngung nicht mal mehr halb so mineralstoffreich wie früher und trotzdem konsumieren die wenigsten von uns Nahrungsergänzungsmittel.
Übrigens: Öl sollte ebenfalls nicht verfüttert werden. Pferde haben nicht mal eine Gallenblase, um dies abzubauen.

Ayrin Piephoh
Ayrin Piephoh
21 Jahre jung, Veterinärmedizin Studentin, Verhaltenstrainerin für Pferde und kommt aus Niedersachsen, nähe Hannover

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