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Lautlose Sprach

G ynger sah eines Morgens matt aus, als ich Fieber gemessen habe, war sie leicht unterkühlt. Den Rest des Tages habe ich gefroren. Mir ist es aber erst aufgefallen, als ich jemandem anderes davon erzählt habe.

Gyves ist mal wieder im Wald verschwunden und aus weiter Ferne hört man ein lautes Wiehern. Gynger wiehert nicht zurück, bleibt nur stehen und schaut aufmerksam in die Richtung aus er das Wiehern kam. Kurz darauf kommt Gyves aus dem Gestrüpp zielgerecht auf uns zu. Kommunikation ohne Laute oder einfach nur eine gute Nase?

Gynger erschreckt sich und ich falle runter – genau auf den Kopf. Auch der Helm konnte mich vor einer Gehirnerschütterung nicht schützen. Ich war völlig orientierungslos und klammerte mich nur an den Zügel. Gynger führte mich nach Hause. Nicht bis zur Weide, sondern zu meiner Mutter. Zufall? Oder antrainiert, weil es bei meiner Mutter öfter mal was zum Naschen gibt?

Irgendwo zwischen Himmel und Erde muss es noch mehr geben.
Aber wem soll man glauben? Was ist nach dem Tod, hat das Universum ein Ende und wenn ja was ist dahinter? Wieso leben wir? Warum hat man diese Angst und Ungewissheit vor dem Tod?

Es gibt die Kirche, die auf all das eine Antwort zu geben meint. Ich bin selbst getauft und konfirmiert. Aber wie kann ich an etwas glauben, was wissenschaftlich doch schon längst widerlegt ist? Wie z.B. die Schöpfungsgeschichte. Und wieso interessiert sich bei den Tieren niemand mehr für das Gesetz „Du darfst nicht töten“? Auch im Islam, Judentum oder Hinduismus fand ich nicht meine Erfüllung. Der Buddhismus entspricht mir noch am meisten. Ich finde die Idee, dass ein Mensch in jedem Tier wiedergeboren werden kann – selbst in einer Fliege – faszinierend. Und dem daraus resultierenden respektvollen Umgang mit allen Lebewesen. Auch die Idee Gefühle selbst bestimmen zu können finde ich beeindruckend und erstrebenswert. Laut Buddhismus haben alle Geschehnisse eine Ursache und Wirkung (Karma), wodurch das Erstreben erweckt wird viel Gutes tun zu wollen. Aber es ist und bleibt eine Art von Religion, das Anbeten von irgendwelchen Gurus und ein Mitverfechten von Glaubenskriegen.

Na, das hört sich ja fast wie eine persönliche Einladung für mich an! So entschloss ich mich die erste Abendveranstaltung zu diesem Thema zu besuchen und es war sicher nicht die letzte …

Janine war die Dozentin, sie ist eine sehr offene Persönlichkeit und hat es geschafft mir einen Zugang zur Spiritualität zu zeigen. Allerdings kann ich sie mir nicht als zukünftige Lehrerin vorstellen. Gerade bei solchen tieferen Themen wünsche ich mir jemanden, mit einer ruhigen, weisen und liebevollen Aura. Janine ist wirklich super, aber ich könnte zu ihr keine Verbindung aufbauen, da wir einerseits zu verschieden sind, als das wir harmonisieren würden, noch verschieden genug, dass wir uns ergänzen. Obwohl ich sie mir also nicht als längere Lehrerin in Betrachtung ziehe, hat sie es geschafft mich in das Thema grandios einzuführen.

Alle Teilnehmer saßen zusammen in einem Halbkreis, vorne saß Janine auf einem Stuhl und erzählte ein wenig von ihrem Weg zur Tierkommunikation, wie sie dazu gekommen ist und ihre Skepsis überwunden hat ..Danach begannen wir mit der „zwei Punkt Methode“, dabei stand Janine seitlich von einem und streckte ihre Arme aus zu einer berührungslosen Umarmung, womit sie Halt und Schutz bot. Dann beschrieb sie es so, dass sie geistig in den anderen Körper eindrang. Zuerst demonstrierte sie es an anderen Personen, aber man konnte selbst beim daneben sitzen die Schwingungen und Energie spüren und es war so, als würde sich die Luft im Raum verdichten. Gleich am Anfang konnte Janine körperliche Mankos erspüren, nach einer gewissen Zeit ging sie weiter zu den Gefühlen, die im Bauch sitzen. Der Proband fing an zu schwanken und zu schwitzen, bis Janine wieder aus dem fremden Körper ausgetreten ist.

Nach einer Zeit war ich an der Reihe und stelle mich gespannt nach vorne. Janine stellte bei mir Nackenverspannungen fest, die ich auch wirklich habe – in der Uni und zum Lernen sitzt man oft mit gesenktem Kopf vor seinen Unterlagen, was zu Verspannungen führt. Jedoch habe ich schon vorher oft mit meinem Kopf gekreist oder meinen Nacken mit einer Hand massiert. Hat sie die Schmerzen nun wirklich gespürt oder nur eine gute Beobachtungsgabe? Danach ging sie tiefer in mich hinein und es schien so, als würde ich es spüren, als sie in meinem Bauch angelangt war, es war ein kurzes ungewohntes und unbeschreibliches Gefühl. Als sich meine Emotionen ihr offenbarten kamen ihr die Tränen und sie fragte mich, ob es sein kann, dass ich meine Tränen oft zurück gehalten habe. Damit konnte ich mich nicht zu 100% identifizieren. Es stimmt schon, dass ich im letzten Jahr versucht habe Emotionen mehr zu kontrollieren und mit Hilfe meiner Gedanken meine Gefühle zu produzieren – selbstverständlich nur solche, aus denen man gestärkt herausgeht: Freude, Glück, Erleichterung… ich habe versucht mit Hilfe meiner Gedankenkraft Angst, Nervosität oder Aufregungen komplett zu vermeiden, dass sie gar nicht erst aufkommen. Kann man das schon als zurückhalten von Emotionen nennen? Wenn ich doch gar nicht darum bemüht war sie zurückzuhalten, sondern sie gar nicht erst entstehen zu lassen? Ich weiß es nicht ..

Gedankenkraft

Janine machte auch ein spannendes Experiment mit uns. Am Armansatz zur Hand hin hat man eine kleine Falte auf jeder Seite. Diese Falte sollten wir aufeinander legen, so dass unsere Hände wie zum Meditieren aufeinander liegen. Danach sollten wir unsere Mittelfinger anschauen – welcher ist ein wenig länger? Nun nehmen wir die Hände wieder auseinander und versuchen unsere ganze Gedankenkraft darauf zu fokussieren, dass der vorher kürzere Mittelfinger wächst. Als wir die Hände danach wieder zusammengelegt haben war der Finger bei fast allen gewachsen. Das Phänomen ist nicht erklärbar, aber es soll wohl so viel sagen: mit Gedankenkraft ist alles erreichbar.

Unsere Gedanken bestimmen uns im ganzen Leben, hierzu auch ein Beispiel aus dem Vortrag: es gibt Menschen die essen und essen und werden nicht dick. Dann gibt es wieder welche, die müssen einen Kuchen nur anschauen und haben schon direkt ein paar Pfunde mehr drauf. Das Problem liegt in unseren Gedanken, wenn wir schon denken „ davon werden wir dick“, dann werden wir das auch, weil in unserem Gehirn diese Prägung fest verankert ist und entsprechende Information an unsere Verdauungsorgane schickt. Wenn uns jemand sagt „denke nicht an einen roten Elefanten“, ist es unausweichlich, dass wir für einen kurzen Augenblick einen roten Elefanten in unseren Gedanken erschaffen. Deshalb sollte man einem Kind auch nicht sagen „Fall nicht runter“, wenn es auf einen Baum klettert, sondern „Halte dich gut fest“.

Auch Krankheiten haben ihrer Meinung nach ihren Kern in der Seele (Wissenschaft siehe Psychosomatik). Wenn die Seele einen Riss hat äußert es sich im Körper. Es gibt so viele Krankheiten, deren Ursache nicht geklärt ist und z B bei Krebs ist auch Stress ein möglicher Auslöser. Als Tiermedizin Student kann ich das nicht genau so sehen. Es gibt einfach Krankheiten, wo man halt Pech hatte, weil sie vererbt wurden oder man zur falschen Zeit am falschen Ort war und sich mit einem Virus infiziert hat. Aber ich stimme dem sonst restlos zu, dass unsere Seele einen großen Einfluss auf unsere körperliche Unversehrtheit hat und ihr im Alltag viel zu wenig Beachtung geschenkt wird.

Wir bekamen auch viel von ihrer total inspirierenden Lebensweise mit auf dem Weg: Sie macht grundsätzlich keine festen Termine, sondern sagt immer von/ bis, weil ihr die Zeit sonst Druck macht. Wenn sie zu einem Termin muss, aber auf dem Weg an einem einladenden Fluss vorbei kommt hält sie an und macht dort Pause, sie genießt und lebt das Leben.

Gegen Ende des Abends führte sie noch ein paar Tierkommunikationen durch. Anhand eines Bildes von einem Tier trat sie mit diesem in Verbindung. Sie tat das auch mit Gynger und erzählte, dass sie ein kleines Plappermaul sei. Folgendes meinte sie zu empfangen:

Gynger würde sich für einen Unfall entschuldigen:
Gynger ist vor zwei Jahren einmal aus für mich unerklärlichen Gründen bei einem Stoppelfeld Galopp seitlich ausgebrochen, quer über das Feld gerannt, über einen Graben auf einen Schotter Weg gesprungen, setzte zum Sprung über den nächsten Graben an, überlegte es sich kurzfristig anders und lief parallel zum Weg weiter. Ich habe mich auf den zweiten Sprung vorberietet und bin dementsprechend (natürlich die ganze Zeit ohne Sattle unterwegs) alleine über den zweiten Graben gesegelt. Danach hatte ich einen kurzen Krankenhaus Aufenthalt, wegen einer Gehirnerschütterung. Bis heute weiß ich nicht ihre Beweggründe, nur dass ich sie nicht genug auf das Stoppelfeld vorbereitet habe. Der ersten Aussage stehe ich damit offen gegenüber.
Sie mag ein klapperndes Geräusch wie vom Futtereimer:
Da meine Pferde neben frischen Kräutern aus dem Wald, Heu und Gras kein Zusatzfutter bekommen, kann ich die zweite Aussage ausschließen. Ich vermute mal, dass das so eine Standard Antwort bei der Tierkommunikation ist, da die meisten Pferde wohl eine Verbindung zu dem klappernden Futtereinem haben und man damit sicher oft punkten kann.
Sie hat einen grünen Stoff positiv in Erinnerung:
Über den grünen Stoff habe ich viel nachgedacht, wahrscheinlich ist die grüne Jacke meiner Mutter gemeint, welche sie immer anzieht, wenn sie die Pferde raus lässt oder Heu füttert, wenn ich unterwegs bin oder früher zur Uni muss.
Zu einem hellen Pferd hat sie eine starke Bindung:
Das helle Pferd zu dem sie eine starke Verbindung hat könnte ihre Tochter Gyves sein.
Zu einer zweiten Person hat sie eine starke Bindung, jedoch nicht so stark wie zu mir:
Die zweite Person ist wahrscheinlich meine Mutter, welche mich in allen Tätigkeiten rund um die Ponys tatkräftig unterstützt. <3
Gynger hat eine strake Bindung zu mir, allerdings war diese schon mal stärker:
Ich empfinde es so, dass ich aktuell viel mehr Zeit mit meinen Pferden verbringe als in meiner Schulzeit. Allerdings verbringe ich seit ich unterrichte viele Stunden mit anderen Pferden, wo ich schon oft gedacht habe, dass mir genau diese Zeit danach mit meinen Pferden fehlt. Dieser Aussage stehe ich sehr unentschlossen gegenüber, wobei nun mein Bemühen geweckt ist die Zeit mit meinen Pferden noch qualitativer, eingehender und intensiver zu gestalten.

Was ist für mich nun das Ergebnis? Es gibt viele Sachen, die ich anzweifle und einfach nicht glauben kann – vielleicht auch deshalb, weil ich sie (noch) nicht verstehe. Aber ich kann auch nicht ausschließen, dass es da etwas gibt, was ich noch nicht ganz erfassen kann. Insbesondere bei der Zwei Punkt Methode, habe ich diese Energie einfach gespürt – da gibt es noch etwas, etwas was ich noch nicht ganz begreife. Aber langsam bekomme ich mehr Verständnis für solche Dinge, insbesondere auch durch den Austausch mit anderen. Immer öfter stelle ich fest, dass ich auch beim Unterrichten sehr viel von den Pferden und Schülern lerne. Vor kurzem hat mir eine Schülerin zum Beispiel genau dazu etwas geschrieben: Wahrscheinlich kennst du das Lied "Der Mond ist aufgegangen", ich kannte es lange Zeit "nur" als schönes Kinderlied, dabei ist es tatsächlich ein kirchliches Lied (es heißt auch "Abendlied"). Es gibt dort eine Strophe, die ich sehr schön finde:

Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen
und ist doch rund und schön.
So sind wohl manche Sachen,
die wir getrost belachen,
weil unsere Augen sie nicht sehen.

Matthias Claudius - Abendlied

Ich finde, das drückt sehr schön aus, was sehr oft passiert: Dinge, die man nicht sehen oder erklären kann, werden nicht ernst genommen und abgetan... Dabei gibt es vieles, was "einfach da ist", auch wenn man es nicht verstehen kann.
Ich bin gespannt, was die Zukunft ergibt!

Ayrin Piephoh
Ayrin Piephoh
21 Jahre jung, Veterinärmedizin Studentin, Verhaltenstrainerin für Pferde und kommt aus Niedersachsen, nähe Hannover

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